Es ist European Babywearing Week – und anlässlich dessen möchte ich euch gern erzählen, wie man die Babyzeit „überlebt“, auch wenn kein Kinderwagen im Haus ist. 😉

 

Ein kurzer Exkurs in die Geschichte des Tragens

Seitdem es Menschen gibt, tragen diese ihre Kinder – in Tüchern und in Tragen. In einigen, zumeist ärmeren Ländern, ist dies auch heute noch die einzige Möglichkeit, sein Baby immer bei sich zu haben. Den Kinderwagen gibt es im Übrigen erst seit etwa 200 Jahren – und trotzdem ist er aus der modernen Welt kaum mehr wegzudenken. Neben der Anschaffung einer Babyschale und eines Bettchens ist er für die meisten Eltern einer der wichtigsten Gegenstände für die Erstausrüstung. Den Kinderwagen gibt es mittlerweile in allen möglichen Ausführungen und beim Kauf wird man schon vor die ersten wichtigen Entscheidungen gestellt: Luftbereifung oder Gummireifen? Schwenkbare Räder oder nicht? Sind die verwendeten Stoffe schadstoffgeprüft und ist mir das überhaupt wichtig? Wie kompakt kann ich den Kinderwagen zusammenklappen? Ist er zum Buggy umbaubar, sodass ich ihn möglichst lange nutzen kann? Auch preislich gibt es immense Unterschiede – vom drei- bis zum vierstelligen Bereich ist alles möglich.

Kein Kinderwagen

 

Warum wir keinen Kinderwagen benutzt haben

Schon vor der Geburt mit Mika habe ich mich mit dem Tragen auseinandergesetzt und wusste, dass ich mein Baby auch im Tuch transportieren möchte. Einen Kinderwagen haben wir trotzdem gekauft – gebraucht. Warum? Naja, vermutlich, um auf Nummer sicher zu gehen und auf alle Eventualitäten eingestellt zu sein. Denn gerade, wenn man zum ersten Mal Eltern wird, weiß man ja nicht so wirklich, was auf einen zukommt – egal, wie viel man im Vorfeld liest.

Als der Mäuserich dann auf der Welt war, haben wir den Kinderwagen auch etwa 5 oder 6 Mal benutzt – meist, wenn die Großeltern zu Besuch waren, denn die sind aus welchen Gründen auch immer ganz verrückt darauf, die kleinen Mäuse durch die Gegend zu schieben. Ich war nie glücklich damit und habe Mika ansonsten immer im Tuch gehabt. Der Papa hingegen hat immer auf unsere Trage, die Fräulein Hübsch, zurück gegriffen. Den Kinderwagen haben wir, nachdem er ein paar Monate im Treppenhaus verstaubt ist, dann irgendwann verkauft.

Ein weiterer Grund, warum wir uns für die Variante „kein Kinderwagen“ entschieden haben war, dass Mika ihn nicht besonders mochte. Er war ständig unruhig darin und hat dann irgendwann angefangen, zu quengeln. Ich erinnere mich noch daran, als wir Mika nach einem Spaziergang fast den ganzen Weg zurück auf dem Arm getragen haben, weil er nur geschrien hat. Wäre das im Tuch auch passiert? Keine Ahnung, vermutlich nicht, denn dort waren unsere Spaziergänge immer sehr harmonisch und nicht von Geschrei begleitet. 😉

Außerdem habe ich es genossen, mein Kind immer so nah bei mir zu haben – ich konnte mir immer sicher sein, dass ihm nicht zu warm oder zu kalt war, dass er sich wohl fühlte und dass es ihm gut ging. Er konnte sich später neugierig umschauen oder bei mir verkriechen, wenn ihm alles um sich herum zu viel wurde.

 

Positive und negative Stimmen

Alle (werdenden) Mamas wissen, dass mit dem positiven Schwangerschaftstest sich plötzlich viele, manchmal auch fremde Menschen dazu berufen fühlen, einem diverse Tipps und Ratschläge zu geben.

So bekam ich viel positive Resonanz, meist von älteren Frauen, die es toll fanden, „was es heutzutage alles gibt“. Scheinbar hätte auch ihnen es gefallen, ihre Babys damals so nah bei sich zu haben. Aber auch das Gegenteil war der Fall: meist waren es nur argwöhnische Blicke, aber auch den ein oder anderen Kommentar konnten sich manche Menschen nicht verkneifen. Meist wurde gemutmaßt, wir hätten nicht genug Geld um uns einen Kinderwagen zu kaufen, das Kind würde keine Luft bekommen oder es wäre nicht gut für den Rücken meines Babys. Manchmal habe ich etwas erwidert, meist aber nicht – denn was für mein Kind das Beste ist, weiß nur ich allein.

Kein Kinderwagen

 

Die Sache mit dem Laufen…

Irgendwann, so mit 15 Monaten, wollte Mika dann nicht mehr getragen werden, sondern die Welt lieber auf eigenen Beinen erkunden. Wir erfüllten ihm diesen Wunsch und verabschiedeten uns so langsam von der Tragezeit, die gefühlt viel zu kurz war. Heute, mit fast 2 Jahren, lässt er sich allerdings noch immer gern auf dem Arm herumtragen… 😉

Ich muss zum Schluss noch hinzufügen, dass wir im Besitz eines Fahrradanhängers sind, den man auch ohne Fahrrad nutzen kann. Aber auch der wird hier nur spärlich mit Kind darin geschoben, weil er es einfach nicht leiden kann. Schon nach kurzer Zeit ist es ihm zu langweilig und er möchte wieder raus…

Jetzt, bei dem bald kommenden Baby im September, haben wir ebenfalls beschlossen, dass kein Kinderwagen hier einziehen wird. Wie der große Bruder wird auch der kleine ein Tragling sein – und ich freue mich schon sehr auf die kommende Tragezeit… 🙂

Kein Kinderwagen

 

Wie war das bei euch und euren Kindern? Hattet ihr einen Kinderwagen oder wurden eure Kinder ebenfalls getragen? Oder hattet ihr vielleicht einen Teilzeittragling? Verratet es mir gern in den Kommentaren! 🙂

Liebste Grüße,

Juli