Warum ich nun verstärkt auf Bio-Mode zurück greifen möchte, habe ich ja schon in meinem letzten Blog-Beitrag zu diesem Thema erklärt. Aber was genau kann denn nun in „normaler“ Kleidung (also die ohne Öko-Siegel) stecken, was so bedenklich ist? Ich habe mich mal ein bisschen schlau gemacht und möchte das, was ich gefunden habe, gerne mit euch teilen.

IMG_4461Also, zunächst einmal ist nicht von der Hand zu weisen, dass in der EU mittlerweile einige wenige Giftstoffe in der Textilverarbeitung verboten sind bzw. gewisse Grenzwerte nicht überschritten werden dürfen. Über den Export findet trotzdem das ein oder andere Kleidungsstück den Weg in den heimischen Schrank. Auf den Etiketten steht in der Regel ja nicht, in welches Chemiebad das Shirt getaucht wurde, um eine schöne strahlende Farbe zu erreichen… Die nachfolgende Liste soll euch nur mal einen kleinen Einblick geben, was sich in euren Textilien befinden kann, die ihr täglich auf eurer Haut tragt.

  1. Weichmacher – kommen in Kunstleder, Gummi und gefärbten Textilien zum Einsatz; beeinträchtigen unter anderem die Fortpflanzung
  2. Farbstoffe – besonders bedenklich sind die sogenannten Azofarbstoffe, die als krebserregend gelten
  3. Flammschutzmittel – Bromierte Flammschutzmittel werden zum Beispiel genutzt um Textilien feuerbeständig zu machen; sind krebserregend und können das Hormonsystem schädigen
  4. Zinnorganische Verbindungen – sind in Schädlingsbekämpfungs- und Antischimmelmitteln enthalten und kommen z.B. in der Sport-, Socken-, und Schuhherstellung zum Einsatz um die Geruchsbildung zu verhindern; können das Immunsystem schwächen, Fruchtbarkeit einschränken und das Nervensystem angreifen.
  5. Tenside – werden verwendet, um Textil- und Lederprodukte wasser- und schmutzabweisend zu machen; Perfluorierte Tenside (PFC) sammelt sich in Blut- und Organgewebe an; stellt eine Gefahr für die Leber dar, beeinträchtigt das Hormonsystem und ist krebserregend
  6. Formaldehyd – wird eingesetzt, um Kleidungsstücke knitterfrei zu machen; wird der Grenzwert von 0,15% überschritten findet sich auf dem Etikett der Vermerk „das Kleidungsstück vor dem ersten Tragen zu waschen“, von der WHO 2004 als krebserregend eingestuft
  7. Triclosan – kommt in Schuhen, Sport- und Funktionskleidung zum Einsatz, um das Bakterien- und Pilzwachstum zu unterbinden; führt laut Studien zu Unfruchtbarkeit, zerstört die natürliche Mikroflora der Haut und fördert die Bildung mikroresistenter Bakterienstämme (und kann somit bestimmte Antibiotika unwirksam machen)
  8. Schwermetalle (Blei, Cadmium, Quecksilber) – finden in Farbstoffen und Pigmenten Anwendung; können sich im Körper anreichern und zu irreversiblen gesundheitlichen Schäden führen
  9. Alkylphenole (NPE/ NPEO) – finden Verwendung bei Reinigungs- und Färbeprozessen; sind wasserlöslich, werden von der Umwelt kaum abgebaut und reichern sich schließlich im menschlichen Organismus an; seit 2003 in der EU nicht mehr zugelassen, durch importierte Textilien gelangen sie dennoch in den EU-Raum

Die Liste ist lang und wahrscheinlich doch nicht vollständig. Mal ganz abgesehen von den gesundheitlichen Schäden sind viele dieser Stoffe auch ein ganz erhebliches Umweltproblem. Weiterhin gibt es nur für wenige Chemikalien Grenzwerte oder gar Verbote. Das einzige, was man tun kann, ist, beim Kauf aktiv auf die diversen Öko-Siegel zu achten (ebenfalls im letzten Blogpost zu diesem Thema ausführlich vorgestellt).

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Greenpeace informiert

Im Jahr 2011 wurde von Greenpeace die sogenannte „Detox-Kampagne“ ins Leben gerufen. Das Ziel: den Verbraucher über Giftstoffe in Textilien aufklären und die Mode-Industrie zum Umdenken bewegen. Im Zuge dieser Kampagne wurden bislang zahlreiche Kleidungsstücke führender Modeherrsteller getestet (Armani, Benetton, C&A, Calvin Klein, Diesel, Esprit, Gap, H&M, Tommy Hilfiger, Vero Moda und Zara). Neben NPE fanden sich darin hoch konzentrierte Weichmacher und krebserregende Chemikalien. Greenpeace konnte mit der Bekanntgabe der Ergebnisse allerdings zum umdenken bewegen: Hier findet ihr eine Liste, welche Hersteller sich seit dem Start dieser Kampagne dazu entschieden haben, ihre Kleidung bis spätestens 2020 zu „entgiften“. Übrigens: keine einzige Luxusfirma (Armani, Louis Vuitton, Versace, …) hat eine Detox-Verpflichtung abgegeben.

Wenn ihr mehr über die Detox-Kampagne lesen wollt, schaut mal hier vorbei.

 


TIMG_4459ipps für den chemikalienfreien Kleiderkauf

Natürlich kann man auch einfach schon von vornherein darauf achten, was beim shoppen in die Tüte beziehungsweise den virtuellen Einkaufswagen wandert. Nachfolgend habe ich nur mal ein paar kleine Denkanstöße für euch zusammen getragen:

  1. Öko-Mode kaufen & auf Öko-Siegel achten
  2. Etiketten ganz genau lesen
    1. „Farbe blutet aus“ / „Separat waschen“ -> Weist ziemlich deutlich auf mangelnde Farbechtheit hin
    2. „Bügelfrei“ / „Knitterfrei“ -> Wird in der Regel nur durch die Behandlung mit bestimmten Chemikalien erzielt
    3. „Used Look“ -> wird oft durch die Behandlung mit Quarzstaub erzielt
    4. „Designed in Germany“ -> sagt leider nichts darüber aus, wo das Kleidungsstück hergestellt wurde
    5. Kleidung, die eine chemische Reinigung benötigt, ist oft selbst mit Chemikalien belastet
  3. An der Kleidung riechen – viele Chemikalien sind zwar geruchsneutral, aber nicht alle; wenn die Kleidung stinkt, lieber gar nicht erst kaufen
  4. Neue Kleidung immer vor dem ersten Tragen waschen
  5. Slow Fashion – aus biologischen & recycelten Materialien hergestellte Textilien und Second Hand Kleidung kaufen

 

Ganz ehrlich? Ich finde es erschreckend, was wir als Konsumenten mit uns machen lassen. Mir war es jahrelang total egal, was da genau in meiner Kleidung steckt. Nie habe ich nur einen Gedanken daran verschwendet, dass es auch nur in irgend einer Form giftig oder schädlich für mich sein könnte. Ich musste erst Mama werden, um auch über so etwas nachzudenken und es zu hinterfragen. Vielleicht konnte ich wenigstens einen kleinen Impuls geben, dass auch andere einmal darüber nachdenken, was genau sie da an ihre Haut lassen…

 

Liebste Grüße,

Juli